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Willkommen
Gestern las ich, ein italienischer Maler soll sich die Zunge herausgeschnitten haben. Ob seine Bilder besser wurden, ich weiß es nicht. Jeder Versuch, ein Bild oder eine Figur zu erklären, arbeitet mit Verlust. Wenn der Autor selbst zu erklären beginnt, läuft er Gefahr, gerade das zu ergänzen, was er bildnerisch nicht gelöst hat oder bildnerisch nicht zu machen ist. Diese Hintertür wird heutzutage ziemlich oft genutzt.
Es gibt aber noch das Problem der Distanz. Mir geht es jedenfalls so, daß mir, obwohl ich versuche möglichst bewußt und planvoll an die Arbeit zu gehen, erst nach Jahren deutlicher wird, was da entstanden ist. Gemalte Bildsprache ist nicht räumliche Sprache der Skulptur und nicht Wortsprache oder etwa Musiksprache.
Dem Bildhauer schmeckt die Materie, drum wird er sich hüten, seine Zunge freiwillig herzugeben. Obwohl seine ureigenste Materie - Felsblock, Ton und mitunter etwas Staub - keine Genußmittel darstellen. Der Mensch betreibt die Bildnerei seit tausenden von Jahren, und sie ist wohl Teil der Menschwerdung. Die technische Seite hat sich kaum geandert. Die Möglichkeiten von Maschinen sind beim Brechen der Steine, beim Transportieren und in der normativen Arbeitvon Vorteil, bei dereigentlichen Bildhauerei sind sie meist schädlich. Es wird mit ihnen mehr weggeschliffen, als dem Stein Form entlockt wird. Das Bild, die Figur entsteht unmittelbar mit Hammer und Meißel. Man sieht, viel Hände Arbeit, und wo bleibt der Geist?
Und man sollte sich nichts vormachen, ein zahlreich gedrucktes Wort, und dazu noch gespeichert, kann dauerhafter sein. Ja, warum eigentlich nicht Stift und Papier? Das ist schon eine absonderliche Laune, ich meine, heutzutage? |
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